Zeitschriften-Originale gehören zu den wertvollsten Zeitzeugen der Geschichte. Sie dokumentieren unverfälscht kulturelles Erbe und sind für viele Themen die einzige noch erhaltene Quelle. Ihre Text- und Bild-Dokumente sind ein wahrer Schatz, nicht zu finden über eine Suchmaschine, sondern nur über das Original!                                                                                           

 

Die im greenhouse ausgelegten Originale der Zeitschrift ‚Die Dame‘ und 'die neue linie'  stammen aus den letzten sechs Erscheinungsjahren der Zeitschrift von 1937 bis 1943, also im Vorfeld und während des zweiten Weltkrieges. Bei der von uns ausgelegten Auswahl der Ausgaben richten wir uns an der jeweiligen Jahreszeit aus. Blättert gern darin und erlebt einen Zeitsprung in die gesellschaftliche, kulturelle und politische Welt vor ca. 80 Jahren!  Wenn man die schon ein wenig fragilen Exemplare pfleglich behandelt, können sie vielleicht noch weitere 80 Jahre überdauern!

 

Die exklusive Frauenzeitschrift ‚Die Dame‘, die der Ullstein-Verlag im Jahr 1911 übernommen hatte, erreichte unter der neuen Führung eine unerwartet hohe Auflage. Sie wurde zur Zeitschrift der „guten, modernen Gesellschaft“, deren Kernstück der Modeteil bildete.

 

Die Zeitschrift vereinigte alles, was den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war: Die Dame  veröffentlichte Texte von Tucholsky, Ringelnatz, Brod und Klabund, druckte erstmals die „Traumnovelle“ von Stefan Zweig, bewarb die jüdischen Modehäuser Gerson und Manheimer und garnierte ihre Beiträge mit Gesellschaftsklatsch und zuweilen auch Aktbildern berühmter Ausdruckstänzerinnen. 1929 berichtete Die Dame“ ausführlich über die Berliner Tagung des Weltverbandes für Frauenwahlrecht.                                    

 

Bereits kurz nach der Machtübernahme durch die NSDAP und der damit verbundenen Abschaffung der Pressefreiheit und dem Boykott jüdischer Firmen, wurden die Ullsteins und andere führende Köpfe beginnend ab Herbst 1933 aus der Geschäftsführung ihres Verlages gedrängt. Die jüdische Familie Ullstein, die den Faschismus unterschätzt hatte und mit „verächtlichem Schweigen" in ihren Zeitungen strafen wollte, mußte 1934 ihr Presse-Imperium zu einem Zehntel seines Wertes verkaufen. Nach dieser Enteignung und ‚Arisierung‘ des Verlages im Zuge der nationalsozialistischen Übernahme der Zeitschrift, blieben

auch inhaltliche Veränderungen nicht aus, das Schweigen der

Ullstein-Blätter zu politischen Themen hatte nun andere Gründe.

 

Ab 1941 war der modische Charakter der „Dame“ anhand der Titelblätter kaum noch zu erkennen - Politik verdrängte immer mehr Mode und Kunst. Das internationale Flair ging auf Kosten der nationalen Ausrichtung zunehmend verloren, es wurde vermehrt die deutsche Mode unterstützt. Das profitable  Verlagsflaggschiff ‚Die Dame‘ erschien noch 4 Jahre lang unter dem Verlagsnamen der enteigneten Ullstein-Familie, 1943 mußte das Erscheinen kriegsbedingt eingestellt werden.


die neue linie war der Name der ersten deutschen Lifestyle-Zeitschrift, die zwischen 1929 und 1943 im Leipziger Verlag Otto Beyer erschien und ein - zur damaligen Zeit - radikal neues Konzept darbot. Das Blatt huldigte der neuen anspruchsvollen Lebensart und thematisierte neben Mode und Literatur vor allem Trends in den Bereichen Reise, Technik und Architektur - speziell aus Bauhaussicht. Es richtete sich vor allem an die intellektuelle und modebewusste Oberschicht, insbesondere aber an die Frau. Das aufwändige Konzept der Illustrierten, deren Redaktion in Berlin saß und von Künstlern des Bauhauses kreiert wurde, sowie der stolze Preis von einer Reichsmark führten dazu, dass das Blatt vom Verlag querfinanziert werden musste; es galt als Prestigeobjekt des Verlages. Insgesamt erschienen 163 Ausgaben mit einer Auflage von jeweils 40.000 Exemplaren

 

Als die Zeitschrift im September 1929 als Nachfolger eines eingestellten Modemagazins am Kiosk erschien, erregte sie mit ihrer Aufmachung Aufsehen. Bereits der kleingeschriebene in nackten Lettern statt der biederen Schreibschrift verfasste Titel war ungewöhnlich, ebenso die

Gestaltung des Textes, der in der vom Bauhauskünstler Herbert Beyer entwickelten serifenlosen Universal-Schrift gesetzt wurde. Neben Bayer prägte der Künstler und frühere Bauhauslehrer Lászlo Moholy-Nagy mit seinen großzügigen Montagen aus Schwarzweißfotos und Farbflächen das Erscheinungsbild.

 

Den Titel der Erstausgabe ziert eine Frau in modischem Mantel und im stilisierten Ambiente moderner Architektur, die mit dem Rücken zum Betrachter durch ein Fenster auf eine winterliche Berglandschaft blickt. Inhaltlich bot das Magazin u. a. Ansichten des Architekten Walter Gropius. Designstudien von Marcel Breuer sowie Kostümentwürfe von László Moholy-Nagy.

 

Trotz der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und der damit verbundenen medialen Gleichschaltung von 1933 genoss das unpolitische Blatt die Gunst der Nationalsozialisten. Man wollte seitens der Machthaber

 

anfänglich eine offene vielfältige Kulturpolitik suggerieren, ging aber später dazu über, die Inhalte „schleichend“ zu verändern, bis man in den Kriegsjahren fast ausschließlich deutsche Produkte und Ideale beschrieb.

 

So zeigte man in der April-Ausgabe des Jahres 1937 den damaligen Präsidenten der Reichsschrifttumskammer (RSK) Hanns Jost in Militäruniform neben seiner Ehefrau und folgte anschließend einer allgemeinen Tendenz in Richtung Nationalismus.

 

Herbert Beyer, der 26 Titelbilder des Magazins kreiert hatte, emigrierte aus Wut über seine eingeschränkten kreativen Möglichkeiten und dem „niedrigen von Hitler diktierten Niveau“ 1938 in die Vereinigten Staaten, so dass die Zeitschrift einen wichtigen Mitarbeiter verlor. Ab 1939 fanden in der neuen linie fast nur noch deutsche Reiseziele, später ausschließlich deutsche Produkte Erwähnung, bis das Blatt völlig zum Erfüllungsorgan der NS-Politik verkam und im März 1943 wegen Papiermangels eingestellt wurde.

 

 




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